Beeren zählen zu den gesündesten Obststorten überhaupt. 1457177378_Stone36

Blaubeeren, Erdbeeren & Co.: Es gibt gute Gründe, viel öfter Beeren zu essen

Haben Sie heute schon eine Portion Beeren gegessen? Das sollten Sie nachholen! Erfahren Sie, was die heimischen "Superfoods" auszeichnet und welches große gesundheitliche Potential in den kleinen Kugeln steckt.
von Sara Zeitlmann

Beeren könnten fast als Medizin durchgehen

„Willst du immer weiter in die Ferne schweifen? Sieh das Gute liegt so nah, Lerne das Glück ist immer da.“ Ob Johann Wolfgang Goethe damals über unser Beerenobst geschrieben hat? In Zeiten exotischer Superfoods passt sein Vers zumindest wie die Faust aufs Auge. Schließlich ist der Hype um exotische Pflanzen wie Acai und Goji groß.

Dabei müssen sich unsere heimischen Beerenfrüchte vor den exotischen Superfoods nicht verstecken. Unter Ernährungsexperten gelten sie als eine der gesündesten Obstsorten überhaupt. Und laut dem amerikanischen Arzt Dr. Greger, dem Autor des Bestsellers „How Not to Die“, sollten wir sie am besten sogar möglichst täglich essen, außerhalb der Saison aus dem Tiefkühlfach. Zu verdanken haben die Beeren diese positive Bewertung ihrem großen Reichtum an Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen und vor allem Antioxidantien. Man hört viel von diesen kleinen „Helfern“ für unsere Gesundheit. Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter?

Was sind Antioxidantien?

Antioxidantien sind zum Beispiel die Vitamine C, E, Zink und Selen, die helfen unsere Zellen vor oxidativem Stress zu bewahren. Sie kommen neben einer großen Vielfalt an sekundären Pflanzenstoffen wie Flavonoiden, Anthocyanen oder Ellagsäure in einer großen Vielfalt in Obst, Gemüse und Kräutern vor, wobei Beeren die Liste der antioxidantienreichsten Lebensmittel anführen. Antioxidantien neutralisieren „freie Radikale“, die z. B. durch Stress, Zigarettenrauch und Sonnenbaden entstehen. Gibt es zu viele davon in unserem Körper, entsteht oxidativer Stress, der als Grundlage vieler Erkrankungen gilt und u. a. Arteriosklerose, Herz-Kreislauferkrankungen und Krebserkrankungen mitverursachen kann. Freie Radikale gelten auch als eine Ursache für stille Entzündungen. Antioxidantien entfalten ihre schützende Wirkung nicht in isolierter Form, sondern im Rahmen einer obst- und gemüsereichen Ernährung.

Stille Entzündungen – der verborgene Feind in unserem Körper

Unter den Beeren weisen Heidelbeeren, vor allem Sorten mit dunklem Fruchtfleisch (siehe unten) und wilde Formen, den höchsten Antioxidantiengehalt auf, dicht gefolgt von schwarzen Johanissbeeren und Holunderbeeren, danach kommen Himbeeren und Erdbeeren. Die Auswahl an Beerenobst ist so groß, dass dieser bunte Beerencocktail den gesamten Körper positiv beeinflussen kann.

Der Mix macht’s!

Jede Beere hat dabei ganz besondere Vorzüge. So hat die Heidelbeere zum Beispiel einen besonderen Farbstoff, der dem Darm hilft, Krankheitserreger abzuwehren. Johannisbeere und Erbeere sind dagegen wahre Vitamin-C-Bomben. Nutzen Sie die Vielzahl an Beerenobst und die Vielzahl ihrer Nährstoffe für einen gesunden Mix in der Küche.

Tiefgekühlt oder frisch?

Sie brauchen dazu nicht unbedingt einen eigenen Garten mit Beerenbeeten. Greifen Sie ruhig auch zu tiefgekühlten Beerenmischungen. Da die Früchte direkt nach der Ernte tiefgefroren werden, sind alle wertvollen Inhaltsstoffe enthalten. Studien zeigen, dass tiefgekühlte Beeren ebenso viele Antioxidantien enthalten wie frische. Teilweise enthalten sie sogar mehr Vitamine als die Beeren aus der Obstabteilung.

Allgemein gilt: Durch den hohen Ballaststoff- und Wasseranteil sind Beeren auch ein gern genutzter Abnehmhelfer. Forscher haben sogar herausgefunden, dass ein hoher Beerenkonsum mit guter Gefäß- und Herzgesundheit sowie mentaler Fitness im Alter in Zusammenhang steht.

Beerige Übersicht

Botanisch zählen die meisten Früchte, die wir Beeren nennen, übrigens gar nicht zu den Beeren. Man unterscheidet hier zwischen Schließfrüchten, Sammelfrüchten und Steinfrüchten. Nur die Schließfrucht gilt als echte Beere. Sie haben ihre Samen innerhalb der Schale und nicht auf der Haut.

Um Missverständnissen entgegenzuwirken hat man daher den Überbegriff „Beerenobst“ ins Leben gerufen. Mehr zu den einzelnen Beereobstsorten erfahren Sie im Folgenden.

Heidelbeere

Auch als Blau- oder Schwarzbeere bezeichnet, ist die Heidelbeere die meistgegessene Beere weltweit. Unsere im Handel erhältlichen Kulturheidelbeeren stammen jedoch von der amerikanischen und nicht von der europäischen Heidelbeere ab. Letztere hat den Farbstoff nicht nur in der Schale, sondern auch im Fruchtfleisch. Die amerikanische Sorte hat dagegen ein helles Fleisch, ist weniger aromatisch, dafür aber widerstandsfähiger und viel größer. Dagegen ist die Konzentration an sekundären Pflanzenstoffen und Vitaminen in der europäischen, kleinen Beere deutlich höher. Fragen Sie darum den Verkäufer ihres Vertrauens nach dem Ursprung oder sammeln Sie selber im Wald.

Ernte: Mai bis August

Kitamin/shutterstock.com

Brombeere

Schon die tiefblaue Farbe verrät, dass sich in den kugeligen Früchten reichlich Anthocyane befinden. Brombeeren sind reich an sekundären Pflanzenstoffen und haben einen hohen Eisengehalt.

Ernte: August bis Oktober

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Erdbeere

Der für Forscher im Moment interessanteste Inhaltsstoff der Erdbeere ist die Ellagsäure, die zu den sekundären Pflanzenstoffen zählt. Ellagsäure soll bei entzündlichen Prozessen eine Rolle spielen. Die Frucht ist außerdem randvoll mit weiteren Pflanzenstoffen wie Quercetin und Catechin. Durch die weiche Konsistenz der Erdbeere empfiehlt es sich die Früchte am besten als Püree einzufrieren – zum Beispiel als Basis für einen selbst gemachten Erdbeerjoghurt.

Ernte: Mai bis Juli

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Johannisbeere

Es gibt rote, weiße und schwarze Johannisbeeren. Die rote Sorte ist die säuerlichste im Geschmack. Wie bei anderen Beeren, gilt auch hier: Je dunkler, desto höher der Gehalt an Anthocyanen. Die radikalfangenden Anthocyane sind hitzeempfindlich, daher am besten roh oder aus dem Tiefkühler genießen.

Die kleinen Beeren sind wahre Vitaminbomben und schmecken nicht nur in Süßspeisen, sondern auch in der Salatküche. Die Johannisbeere lässt sich übrigens mit der Stachelbeere kreuzen. So entstehen dann die Jostabeeren.

Ernte: ab Mai, die schwarzen Johannisbeeren gibt es bis September

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Himbeere

Wie viel Gutes in der Himbeere stecken muss, sieht man schon daran, dass die Pflanze sogar noch in Westsibirien wächst und als sehr wiederstandsfähig und resistent gilt.

Verzehren Sie dir Früchte möglichst rasch. So kommen Sie auch noch in den Genuss des außergewöhnlich hohen Vitamin C– und Magnesiumgehalts. Auch die Blätter der Himbeer-Pflanze haben eine gesundheitliche Wirkung: Himbeerblättertee kann bei verschiedenen Frauenleiden helfen.

Ernte: Mai bis August

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Holunderbeere

Um den Holunderstrauch ranken sich viele Mythen und Sagen. Er galt zum Beispiel lange als der Baum des Lebens. Außerdem ist die Pflanze als Heilpflanze gelistet und die Beeren haben einen hohen Anteil an gesunden ätherischen Ölen. Zum Rohverzehr sind sie allerdings nicht geeignet.
Die Beeren sollten Sie sofort nach der Ernte weiterverarbeiten, sie gären sonst und werden ungenießbar. Sehr beliebt ist z. B. der Holunderbeerensirup: Dazu einfach Beeren, Zucker und Wasser im Verhältnis von 1:1:1 mit etwas Zitronensaft mischen und pürieren. Danach den Sirup aufkochen, wieder abkühlen lassen und in Gläser füllen. Lecker!

Ernte: August bis Oktober

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Preiselbeere

Die Preiselbeere gehört zu der Gattung der Heidelbeeren und ist damit ebenfalls eine so genannte „echte Beere“. Die roten Früchte kommen selten roh auf den Tisch, wir kennen sie als Marmelade oder Soße zu Schnitzel und Wild. Gesund sind diese Beilagen dennoch, denn die Preiselbeere enthält viel Kupfer und andere gesunde Nährstoffe. Im Volksmund ist die Preiselbeere darum auch bekannt als scharlachrote Medizin. Zu Preiselbeerblättertee raten Apotheker gerne bei Harnwegsinfekten.

Ernte: August bis Oktober

Kitamin/shutterstock.com

Stachelbeere

Die süßsauren Schließfrüchte gibt es in vier Farben: Grün, gelb, weiß und rot. Doch alle haben eins gemeinsam: Sie haben nach den Trauben den zweithöchsten Zuckergehalt. Die rohe dicke Schale ist für manche Beerenliebhaber nur schwer verdaulich. In diesem Fall können Sie die Beeren pürieren oder als Marmelade einkochen. So profitieren Sie vom hohen Vitamin-C-Gehalt und den Ballaststoffen der Beeren.

Ernte: Juli und August

Für alle Beeren gilt:

  • Achten Sie beim Einkauf oder Sammeln von frischen Beeren auf unversehrte und schön glänzende Schalen. Sind die Schalen „verletzt“, schimmelt das Beerenobst sehr schnell.
  • Waschen Sie Beerenobst indem Sie die Früchte in Wasser tauchen und nicht lange rubbeln oder im Wasser stehen lassen. Sonst saugen sie sich mit Wasser voll und das Aroma ist nicht mehr vollmundig im Geschmack.
  • Bewahren Sie die Beeren anschließend im Kühlschrank auf. Das verhindert Fruchtfliegen und schnelles Schimmeln.

Kennen sie schon unsere leckeren Rezepte mit Beeren?

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Sara Zeitlmann

arbeitet seit 2002 als Redakteurin und liebt es die Geschichte hinter einer Geschichte zu sehen. Zu ihren Lieblingsthemen gehört dabei schon immer alles, was sich mit Gesundheit und Natur beschäftigt. Bis zur Babypause 2014 war sie weltweit fürs Fernsehen unterwegs, jetzt bleibt sie lieber in der Nähe der Familie, ihrem Kräutergarten und schreibt u. a. als Gast-Autorin für den LaVita Blog.

6 Kommentare

  • Ilona Kock

    Frage zum Holunderbeerensirup:
    Bisher bin ich davon ausgegangen, dass Holunderbeeren vor dem Verzehr gekocht werden müssen. In Ihrem Tip „Holunderbeerensirup“ werden die Zutaten nur durch Pürieren miteinander vermengt. Gibt’s nach Genuss dieses Sirups garantiert keine Bauchschmerzen?

    • Cora Högl

      Hallo FRau Kock, vielen Dank für den Hinweis! Sie haben Recht, der Sirup muss vorher erhitzt werden. Wir haben das im Artikel angepasst. Herzliche Grüße, Cora Högl

  • Margarete Tümmler

    Ich würde sooo gerne öfter Beeren essen, jetzt gibt es sie ja überall. Aber leider sind sie alle „behandelt“, auch die vom regionalen Anbieter! Es gibt viele entsprechende Untersuchungen (Stiftung Warentest etc.) Jede Menge Chemie, je schöner die Früchte, desto mehr Funghizide, Pestizide etc. Darauf habe ich keine Lust! Und die im Bio-Markt sind sehr,sehr teuer, wenn es sie überhaupt gibt.
    Am schlimmsten sollen übrigens die Blaubeeren sein, gross und dick lachen sie mich auf dem Wochenmarkt an. Schmecken tun sie nicht so, wie sie aussehen…. Pickel und Bauchschmerzen sind die Folge. Jedenfalls bei mir – soll bitte jeder das essen, was er mag. Aber schade ist es schon!

  • Hallo Frau Tümmler, sixhen Sie im Bekanntenkreis oder auf eBay Kleinanzeigen Privatleute, bei denen Sie Beeren selber Pflücken können. Viele ältere Leute schaffen es kaum, ihre eigenen Beeren zu verarbeiten und sind vielleicht auch noch dankbar dafür. Da bekommen Sie am ehesten unbehandelte Beeren. Im Wald muss man ja bzgl. Fuchsbandwurm aufpassen. Aber zumindest Holunderbeeren wachsen in einer Höhe, wo der Fuchs nicht hinkommt. Da kann man schon in der Natur sammeln!

  • Liane Rudolph

    Ich bin wirklich erstaunt, dass Sie schreiben, „Holunder soll gleich nach der Ernte verzehrt werden“. Roher Holunder ist giftig, wie ich vor Jahren aus Unkenntnis am eigenen Leib erfahren musste. Hoffentich hat sich niemand an diesen Rat gehalten, den ich wirklich fahrlässig finde.

    • Dunja Rieber
      Dunja Rieber

      Liebe Frau Rudolph,
      Vielen Dank für Ihren wertvollen Hinweis. Dies war tatsächlich missverständlich und ich habe es im Text direkt geändert.
      Herzliche Grüße,
      Dunja Rieber

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