Putzen

Frühjahrsputz ohne Chemie: Sauberes Zuhause ganz natürlich

Natur statt Gift - viele Putzmittel schaden nicht nur der Umwelt, sie lösen auch Allergien aus. Und nicht nur das: Putzen mit den falschen Mitteln kann unsere Lunge so stark schädigen wie Rauchen, sagen Wissenschaftler. Dabei gibt es auch wirkungsvolle natürliche Putzmittel.
von Dunja Rieber

Weniger ist mehr. Das gilt auch beim Putzen. Rund 86 Prozent der Deutschen nutzen chemische Reinigungsmittel. Klar, dass das für die Umwelt nicht gut ist. Mehr als vielen bewusst ist, leidet allerdings auch unsere Gesundheit darunter.

Putzmittel greifen unsere Lunge an und lösen Allergien aus

Forscher der Universität Bergen haben herausgefunden: Menschen, die viel putzen, haben eine deutlich angegriffenere und schwächere Lunge als „Nicht-Putzer“. 6000 Probanden wurden über 20 Jahre hinweg begleitet. Das Erschreckende: Wer häufig chemische Reiniger verwendet, hatte ähnlich schlechte Lungenwerte wie ein Raucher. Die Chemikalien werden eingeatmet und dringen tief in die Atemwege ein. Dort schädigen sie die Lunge und können sogar Asthma verstärken. Besonders schädlich: Reiniger, die versprüht werden, atmen wir noch leichter ein. Zudem können die chemischen Substanzen auch die Haut reizen und allergische Reaktionen auslösen.

Öko-Putzmittel: Auf diese Siegel sollten Sie achten

Die Begriffe „Bio“ und „Öko“ sind leider in diesem Bereich nicht gesetzlich definiert. Nur weil sich ein Reiniger „Bio-Spülmittel“ oder ähnliches nennt, heißt das noch nichts. Dabei gibt es mittlerweile auch einige Reiniger, die biologisch abbaubar sind und keine belastenden Chemikalien enthalten. Diese sind mit dem Blauen Engel, dem EU-Ecolabel oder dem ECOCERT-Siegel gekennzeichnet. Neben synthetischen Stoffen ist auch Mikroplastik in Waschmitteln oft ein Problem. Produkte mit der Euroblume oder dem Blauen Engel sind nicht nur frei von Mikroplastik, sie waschen auch vergleichbar gut wie ein marktführendes Vergleichsprodukt.

Umweltfreundlich putzen mit diesen Siegeln

Blauer Engel

Die waschaktiven Substanzen (Tenside) in Waschmitteln sind bevorzugt aus nachwachsenden Rohstoffen und leicht biologisch abbaubar. Auch die Verpackung ist so gestaltet, dass sie möglichst gut recycelt werden kann. Bad-, Toiletten- und Allzweckreiniger sowie Waschmittel mit dem Blauen Engel unterliegen strengen Auflagen hinsichtlich der Verträglichkeit für Gesundheit und Umwelt – die Vorgaben gehen dabei über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Inhaber des Siegels ist das deutsche Bundesumweltministerium.
EU-Ecolabel

Schon 1992 von der EU ins Leben gerufen, tragen erst jetzt immer mehr Spülmittel, Reiniger und Waschpulver das EU-Ecolabel. Es zeichnet Produkte aus, die biologisch abbaubare Rohstoffe verwenden und limitiert streng den Einsatz umwelt- und gesundheitsschädlicher Inhaltsstoffe. Auch die Verpackung der ausgezeichneten Putzmittel ist umweltschonend. Siegelinhaber ist die EU.
ECOCERT

Das Siegel kennzeichnet Wasch- und Reinigungsmittel, die im Vergleich zu konventionellen Produkten umweltschonender sind. Die Inhaltsstoffe müssen biologisch abbaubar sein, damit sie keine negativen Auswirkungen auf Gewässer haben. Siegelinhaber ist die private ECOCERT-Group.

Diese vier Reiniger ersetzen alle Putzmittel

Auch wenn die riesige Auswahl im Drogerieregal etwas anderes suggeriert: Im Grunde reicht es, wenn wir im Haushalt auf einige wenige Universalreiniger wie Spülmittel oder Allzweckreiniger sowie altbewährte Hausmittel zurückgreifen. Viele chemischen Reiniger sind im Haushalt überflüssig, ebenso wie Desinfektionsmittel. Das Putzen mit ökologischen Saubermachern schont nicht nur die Umwelt, sondern auch unsere Gesundheit. Wir zeigen Ihnen, welche Putzhelfer Sie kennen sollten:

Die besten umweltfreundlichen Reinigungsmittel

  1. Zitronensäure und Essig
    Die Säure von Zitronen ist ein milder, aber wirkungsvoller Kalklöser. Einfach 3 Esslöffel Zitronensäure in Wasser auflösen und in eine leere Sprühflasche füllen. Fertig ist das perfekte Anti-Kalk-Mittel – von Dusche bis Spüle für alles geeignet außer Naturstein. Zitronensäure ist auch ein bewährtes Hausmittel zum Entkalken von Kaffeemaschinen und Wasserkochern. Essig ist ebenfalls ein guter Kalklöser
  2. Spülmittel
    Zugegeben nicht ganz so natürlich wie Essig, aber kein Vergleich zu aggressiven Chemie-Keulen: Wer braucht spezielle Badreiniger oder Glasreiniger, wo es doch Spülmittel gibt? Einfaches Spülmittel ist der ideale Universalreiniger für alle Flächen im Haus. Die Reinigungsleistung von ein paar Tropfen Spüli ist mindestens genauso gut – und es gibt mittlerweile einige Produkte, die fast vollständig biologisch abbaubar sind. Achten Sie beim Einkauf auf eines der umweltfreundliches Siegel.
  3. Soda
    Soda ist ein einfaches Reinigungsmittel, dass sich sowohl für die Küche als auch fürs Bad eignet. Als Pulver gibt es Soda in jeder Drogerie. Das Pulver wirkt wie ein natürlicher Rohreiniger in Abflüssen und Toiletten. Und es ersetzt auch andere WC-Reiniger: Einfach etwas Pulver einstreuen und einwirken lassen. Soda löst auch eingebrannten Schmutz in Töpfen oder auf Blechen.
  4. Öko-Waschmittel
    Duftstoffe in herkömmlichen Waschmitteln können nicht nur Allergien auslösen. Sie sind nicht abbaubar und lassen sich bereits im Fettgewebe von Speisefischen nachweisen. Bei Produkten mit Blauem Engel und Euroblume sind Sie auf der sicheren Seite – auch was Mikroplastik betrifft.

Wissen, was drin steckt

Vielleicht haben Sie Sorge, dass die natürlichen Mittel weniger schnell und gründlich reinigen als synthetische Spezialreiniger? Schon Oma wusste, wie weit man mit „einfachen“ Reinigern kommt. Und letztlich ist die enorme Vielfalt im Putzmittelregal nicht mehr als Werbestrategie. Lassen Sie sich überraschen, wie gut Sie mit wenigen Universalreinigern auskommen. Und wer weiß, was drin steckt, muss auch keine Allergien oder Hautreizungen befürchten!

Foto: shutterstock/1328933027/Switlana-Symonenko

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Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

3 Kommentare

  • 5 Sterne, denn 80 % der genannten Mittel kommen bei uns schon zum Einsatz!

  • Danke Frau Rieber, ich werde immer belächelt, wenn ich diese Dinge erzähle. Ich nehme auch
    Kernseife zum putzen, was sehr gut wirkt und richtig sauber macht. Dazu nehme ich auch
    Obstessig. Einmal in der Woche Küchenkrepp um die Armaturen und mit Obstessig einweichen,
    ziehen lassen, dann abwischen, alles ist sauber und frisch. Ebenso verfahre ich auch mit meiner Herdplatte. Als Pflegemittel verwende ich Parafinöl, alle Möbel werden damit sehr sauber und gut glänzend und sind gepflegt. Den Tip mit dem Soda werde ich mit verwenden. Danke dafür. Freundliche Grüße – Hertha

  • Hannelore Rentsch-Millin

    Ja, ich arbeite schon viel mit Essig. Jetzt werde ich mir noch Soda dazu kaufen. Danke für den Rat.

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