Schadstoffe im Haus

Schadstoffe vor allem zu Hause: Drinnen schlechtere Luft als an Straßen?

Viele denken, wir atmen vor allem an Straßen schlechte Luft ein. Dabei verpesten auch zu Hause Schadstoffe und Feinstaub unsere Luft zum Atmen – teilweise sogar mehr als im Verkehr. Kann das wirklich sein?
von Dunja Rieber

Die Dosis macht das Gift – das gilt nicht beim Thema Feinstaub. Bereits kleinste Mengen schaden. Und je winziger die Teilchen, desto gefährlicher wird es für uns. Denn gerade der kleinsten Komponente des Feinstaubs – dem Ultrafeinstaub – gelingt es noch müheloser sich tief in unserer Lunge abzulagern. Und die Partikel schaffen es sogar unsere Zellwände zu passieren und in unseren Blutkreislauf zu gelangen. Die Folgen sind bekannt: Atemwegserkrankungen und Entzündungen, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Thrombosen, Schlaganfall, Diabetes und neurologische Erkrankungen scheinen durch Feinstaub begünstigt zu werden.

Drinnen mehr Feinstaub als draußen?

Je näher wir an vielbefahrenen Straßen wohnen, desto größer die Wahrscheinlichkeit für Lungenprobleme und Allergien. Genügend valide Studien, die die Gefahr für unsere Gesundheit belegen, gibt es. Daher ist die Diskussion um die Feinstaub-Grenzwerte nötig und sinnvoll. Manche Experten sind allerdings der Meinung, dass der Innenraum bei der hitzigen Debatte viel zu kurz kommt. Schließlich verbringen wir den Großteil unserer Lebenszeit in geschlossenen Räumen. Weil wir uns im Schnitt 16 Stunden des Tages drinnen aufhalten, kommt der Innenraumluft sogar eine besondere Bedeutung für unsere Gesundheit zu. Und tatsächlich schwebt nach Messungen des Umweltbundesamtes in vielen Wohnungen, Schulen und Büros sogar mehr Feinstaub in der Luft als an Straßen.

Woher kommt der Feinstaub im Haus?

Kann es wirklich sein, dass die Luft bei uns zu Hause belasteter ist als an der Hauptstraße? Ein Problem, wenn es um Feinstaub geht, ist sicherlich immer noch die Vergleichbarkeit der Messungen. Und auch die Frage wo am besten gemessen wird, ist selbst unter Experten umstritten. Hinzu kommt: Draußen haben wir einen „Verdünnungseffekt“, denn die Umgebungsluft ist immer in Bewegung und je nach Wetterlage kommt es zu mehr oder weniger Luftbewegungen. Die Luft in unseren Wohnungen zirkuliert dagegen weniger und Teilchen in der Luft verbleiben länger am Ort.

Unterschätzte Gefahr: VOCs im Wohnraum

Der Feinstaub besteht aus Millionen kleinster Teilchen, ist aber immer unterschiedlich zusammengesetzt. Ein Teil des Feinstaubs kommt je nach Wohnlage auch von draußen ins Haus. Bisher unterschätzt ist anscheinend jedoch die Belastung durch sogenannte VOCs. Das sind flüchtige Verbindungen, die entstehen, wenn z. B. Farben, Lacke, Putzmittel, Klebstoffe, Seifen, Parfüm und Ausdünstungen aus Sofas und Textilien verdunsten. VOCs (Volatile Organic Compounds) schweben ebenfalls durch die Luft und verbinden sich mit anderen Gasen, sodass Feinstaubpartikel entstehen.

Gefährlicher Mix aus Staub, Allergenen und Chemikalien

Neben VOCs heften sich auch Allergene z. B. von Hausstaubmilben oder Katzenhaaren daran, ebenso wie Rückstände von Tabakqualm, Schadstoffe aus Sofas oder Kunststoffböden. Auch Rückstände von Kerzenruß oder Kaminfeuer lagern sich an. Sie sind besonders schädlich, weil gerade sie aus besonders kleinen und reizenden Partikeln bestehen. Gelangt der gefährliche Feinstaub-Mix in unserem Körper, treibt er dort sein Unwesen. In Büros gelten Laserdrucker und Kopierer als Quelle.

Feinstaub zu Hause vermeiden

Ganz unabhängig von Grenzwerten und Zahlen: Die Luft, die wir atmen, soll so sauber und rein wir möglich sein. Und zumindest in unseren eigenen vier Wänden können wir dafür eine Menge tun:

  • Wählen Sie bei Seifen und Reinigungsmitteln Produkte, die den „Blauen Engel“ tragen. Diese Produkte sind emissionsarm und unterliegen darüber hinaus strengeren Auflagen im Hinblick auf die Auswahl der Rohstoffe und die Verträglichkeit für unsere Gesundheit und die Umwelt.
  • Gerade Polstermöbel und Matratzen können wegen ihrer großen Oberfläche und langen Nutzungsdauer eine wesentliche Quelle für VOCs sein. Auch hier gibt es Produkte mit dem Blauen Engel.
  • Es heißt oft, Kerzen verursachen viel Feinstaub. Tatsächlich ist die Belastung nur gering. Trotzdem sollten die Dochte natürlich nicht rußen.
  • Sogar beim Kochen, Braten und Frittieren in der Küche entsteht Feinstaub, der sich allerdings leicht mit einer Dunstabzugshaube einfangen lässt.
  • Damit der Staub beim Saugen auch wirklich im Staubsauger landet, lohnen sich hochwertige Feinfilter.
  • Alle, die einen Kamin besitzen, sollten darauf achten, dass Holz sauber und trocken zu lagern, die ideale Menge an Holz nachzulegen und die Luftzufuhr optimal einzustellen. Weitere Tipps zu Vermeidung von Feinstaub finden Sie auf der Seite clean-heat.eu.
  • Rauchen ist nicht nur ungesund, es ist auch eine der größten Feinstaub-Quellen im Haus. Vermeiden lässt sich viel heimischer Feinstaub, wenn man zumindest im Haus auf das Rauchen verzichtet.
  • Lüften ist das beste Mittel, um Feinstaub aus dem Haus zu bekommen. Sie wohnen an einer vielbefahrenen Straße? Dann lüften Sie möglichst spät abends, nachts und nicht zu Rushhour-Zeiten.
  • Oft steht der Drucker direkt neben dem Schreibtisch. Gerade wenn Sie im Homeoffice arbeiten oder viel am Schreibtisch sitzen, sollte der Drucker besser separat stehen.
  • Wenn Sie renovieren, achten Sie bei Farben, Lacken, Böden und Teppichen ebenfalls auf den Blauen Engel. Renovieren Sie außerdem idealerweise im Sommer, wenn man besser lüften kann als während des Winters.
Feinstaub: Straßenverkehr und Innenraum im Vergleich:

Straßenverkehr: An vielbefahrenen Straßen in München lag der Feinstaub-Jahresmittelwert bei 25 µg/m³ und an 16 Tagen wurde der zulässige Tageshöchstwert von >50 µg/m³ überschritten.

Wohnungen: Gemessen wurden Belastungen zwischen 4 und 63 µg/m³. Besonders hoch ist die Belastung in Raucherwohnungen (während der Messung wurde allerdings nicht geraucht).

Schulen: Gemessen wurden Werte zwischen 65 und 92 µg/m³. Im Sommer lag die Feintaub-Belastung deutlich niedriger als im Winter.

Büros: Messungen in Büroräumen während der Kernarbeitszeit zeigen Feinstaub-Werte zwischen 33 und 42 µg/m³.
Weitere Infos udn alle Ergebnisse: www.umweltbundesamt.de

Foto: shutterstock/275257523/goodluz

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Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

1 Kommentar

  • W. Simlacher

    Ich habe einen elektrischen Luftwäscher, der nur 1-6 Watt Strom verbraucht. Mit dem Gerät wird die Raumluft im Wasser gewaschen und die Luftfeuchtigkeit reguliert. Ich denke, dass das den Feinstaub erheblich reduziert.

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