Leaky Gut: Die richtige Ernährung unterstützt die gesunde Darmbarriere.

Leaky Gut Syndrom – das steckt hinter dem „löchrigen“ Darm

Das Leaky Gut Syndrom - die durchlässige Darmwand - soll Ursache zahlreicher Beschwerden sein. Aber warum wird der Leaky Gut so kontrovers diskutiert und um was handelt es sich dabei genau? Fest steht: Mit der richtigen Ernährung können wir unsere Darmbarriere stärken.
von Dunja Rieber

Unter dem Leaky Gut versteht man einen durchlässigen Darm. Auf diese Weise sollen schädliche Substanzen wie Giftstoffe, Keime und Allergene in unseren Körper gelangen und dadurch Entzündungen, Allergien oder Autoimmunerkrankungen fördern. Allerdings wird das Leaky Gut Syndrom unter Medizinern kontrovers diskutiert.

Entsteht der durchlässige Darm als Folge bestimmter Erkrankungen oder ist er die Ursache für diverse Symptome – von Reizdarm bis Autoimmunerkrankung?

Erfahren Sie, was hinter dem Leaky Gut Syndrom steckt, was eine durchlässige Darmwand eigentlich ist und wie wir mit der richtigen Ernährung die gesunde Darmbarriere stärken können.

Was ist das Leaky Gut Syndrom?

Wir alle haben einen durchlässigen Darm – zu einem gewissen Grad. Denn unsere Darmwand stellt für unseren Körper die Barriere zwischen innen und außen dar: Wichtige Nährstoffe wie Vitamine und Spurenelemente werden aufgenommen. Alles was in unserem Körper nichts verloren hat, soll draußen bleiben: Giftstoffe, Viren, Pilzsporen oder Bakterien dürfen dagegen nicht hindurch gelangen. Diese Barriere ist für uns überlebenswichtig.

Unsere Darmschleimhaut ist auch unsere größte Kontaktfläche zur Außenwelt. Das macht auch klar, warum ein wichtiger Teil unseres Immunsystems im Darm sitzt.

Beim Leaky Gut Syndrom – dem undichten Darm – ist diese Barriere gestört. Die Darmschleimhaut, die sonst vor allem wichtige Nährstoffe durchlässt, wird durchlässiger. Unerwünschte Stoffe können in unseren Körper gelangen und z. B. Entzündungen auslösen. Treten diese Substanzen in den Blutkreislauf ein, kann es zu Immunreaktionen kommen – Entzündungen, allergische Reaktionen und Autoimmunerkrankungen (Qinghui Mu et al., 2017) werden als mögliche Folgen beschrieben.

Es gibt bereits hunderte Untersuchungen zum Leaky Gut. Unter Naturheilmedizinern und Heilpraktikern ist das Leaky Gut Syndrom ein fester Begriff. Aber seien Sie nicht überrascht, wenn manch Schulmediziner davon noch nichts gehört hat. Die klassische Medizin verwendet eher den Begriff „intestinale Permeabilität“. Dennoch sind sich Mediziner und Naturheilkundler noch nicht ganz einig was das Leaky Gut Syndrom angeht.

Auch der Begriff vom löchrigen Darm wird häufig verwendet, stimmt allerdings nicht ganz. Denn ohne einen Darm, der wichtige Nährstoffe hindurchlässt, wären wir nicht lebensfähig. Das heißt: Einen grundsätzlich „dichten“ Darm gibt es nicht.

Gestörte Darmbarriere – Kennzeichen vieler Erkrankungen

Eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut lässt sich bei vielen Erkrankungen beobachten:

  • Autoimmunerkrankungen wie chronisch entzündliche Darmerkrankungen z. B. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
  • Einige Studien zeigen einen möglichen Zusammenhang mit weiteren Autoimmunerkrankungen (Lupus, Multiple sklerose, Typ-1-Diabetes)
  • Reizdarm
  • Allergien
  • Zöliakie
  • Auch bei Übergewicht und Leberzirrhose durch Alkoholkonsum lässt sich eine erhöhte Durchlässigkeit feststellen

Bis jetzt ist allerdings noch nicht vollständig erforscht, ob die durchlässige Darmwand Ursache oder Folge bzw. Begleiterscheinung der Beschwerden ist.

Was wir schon jetzt wissen: Unsere Darmbarriere ist keine feststehende „Grenze“, sondern befindet sich im ständigen Auf- und Abbau. Unsere heutige falsche Ernährung mit viel Zucker, Weißmehlprodukten, verarbeiteten Nahrungsmitteln und gleichzeitig wenig Ballaststoffen verändert Darmschleimhaut und Darmflora – und erhöht auf diese Weise die Durchlässigkeit des Darms. Auch Alkohol, Rauchen oder Medikamente stören die gesunde Darmbarriere und erhöhen die Durchlässigkeit.

Leaky Gut: Diagnose der durchlässigen Darmwand

Ein gängiger Test, der auf das Leaky Gut Syndrom hindeuten kann, ist der Laktulose-Mannitol-Test. Mit diesem Test wird die Durchlässigkeit des Darms (die Permeabilität) ermittelt. Laktulose und Mannitol sind zwei unverdauliche Zucker, die bei gesundem Darm eigentlich unverändert ausgeschieden werden müssten. Entzündliche Prozesse in der Darmschleimhaut erhöhen die Durchlässigkeit in der Darmwand (die sogenannten tight junctions), so dass mehr Zucker die Darmwand durchdringt – und dann nicht mehr im Urin nachgewiesen werden kann. Beispielsweise bei Morbus Crohn steigt der Quotient von Mannitol und Laktulose auf das Zehnfache des Normwerts an.

Ernährung: Die Darmbarriere stärken

Ob beim Leaky Gut oder bei anderen Erkrankungen: Die Darmgesundheit spielt für unsere Gesundheit eine wichtige Rolle. Und auch wenn das Leaky Gut Syndrom kontrovers diskutiert wird: Ein Zusammenhang zwischen der durchlässigen Darmwand und einigen Darmerkrankungen sowie Autoimmunerkrankungen besteht. Für Therapeut und Patient ist die erhöhte Darm-Durchlässigkeit ein sehr wertvoller Hinweis. Sie zeigt, dass etwas in unserem Körper nicht stimmt – und wir etwas dagegen unternehmen sollten. Was, das wissen wir schon jetzt: Eine darmfreundliche Ernährung ist die beste Grundlage für einen gesunden Darm. Auch Wissenschaftler haben bestätigt, dass eine gesunde Darmflora und ein gesundes Mikrobiom den Verbund im Darm (med. tight junctions) und damit die Darmbarriere stärken (Qinghui Mu et al., 2017).

Weil sich unsere Darmschleimhaut in ständigem Auf- und Abbau befindet, können wir unsere Darmgesundheit – und damit die Darmbarriere – mit der richtigen Ernährung fördern. Die besten Tipps:

  • Bevorzugen Sie möglichst wenig verarbeitete und naturbelassene Lebensmittel.
  • Die beste Basis für Ihre Ernährung: viel Gemüse und pflanzliche Nahrung, die reich an Nährstoffen und Ballaststoffen ist. Vollwertiges Getreide (bei Zöliakie glutenfreie Sorten), dazu gesunde, an Omega-3-Fettsäuren reiche Öle wie Leinöl.
  • Manchen hilft bei bestehenden Darmbeschwerden der Verzicht auf Weizen.
  • Meiden Sie Zucker. Lesen Sie hier mehr darüber, wie Sie ein zuckerfreies Leben gestalten können.
  • Probiotische Lebensmittel unterstützen die gesunde Darmflora: z. B. Sauerkraut (nicht erhitzt), fermentiertes Gemüse als Salat, sauer vergorene Gemüsesäfte, Naturjoghurt (spezielle probiotische Joghurts sind nicht nötig).
  • Stress schwächt nachweislich unsere Darmgesundheit und nimmt ebenfalls Einfluss auf die Darmbarriere. Versuchen Sie einen gesunden Umgang mit Stress zu erlernen und achten Sie auch auf einen guten Schlaf und Entspannungstechniken zum Stressabbau.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Heilpraktiker ob eine Darmsanierung für Sie sinnvoll sein könnte. Hier erfahren Sie mehr darüber, wie Sie Ihre Darmflora natürlich aufbauen können.

 

Quellen:

Sequeira et al., Standardising the Lactulose Mannitol Test of Gut Permeability to Minimise Error and Promote Comparability, PLoS One. 2014; 9(6): e99256.

Qinghui Mu et al., Leaky Gut As a Danger Signal for Autoimmune Diseases, Front Immunol. 2017; 8: 598.

Foto: shutterstock/271267736/PointImages

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Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

4 Kommentare

  • Andrea Meixner

    herzlichen Dank für Ihren wertvollen Artikel! Ich möchte zusätzlich noch etwas zum Nachdenken anregen: Nicht nur die Darmschleimhaut ist seit einigen Jahren vermehrt kaputt, auch hört man seit Jahren keinen Menschen mehr mit einem „krachenden“ Husten und Schleimauswurf. Es gibt im Winter fast nur noch trockenen Reizhusten aber keine Schleimbildung! Dann muss es also noch eine andere Ursache haben! Etwas, das wir einatmen, denn Lunge-Dickdarm ist ein Funktionskreis – nun, was kann das sein? Gibt es neue Stoffe in der Luft, die es früher nicht gab? JA! Nanopartikel im Benzin, Diesel und Motoröl. Besonders die Winterzusätze für Diesel halte ich für extrem problematisch, denn Nanopartikel machen das giftige Benzin noch giftiger. Trotzdem wird es Jahr für Jahr uns tonnenweise zur Inhalation verabreicht, ohne dass Nanopartikel irgendeinen nachweislichen Nutzen hätten, so ein Autofachexperte aus meinem Freundeskreis. Warum tut man das? Es kostet ja viel Geld, ein sinnloser Zusatz…Die Frage müssen Sie sich selbst beantworten, ich habe keine Antwort dafür! Ich habe nur selbst Erfahrung gemacht mit Nanopartikeln aus Titandioxid: Meine chronische Darmentzündung bekam ich durch ein nanofiziertes Kurkuma aus der Alternativmedizin, weil angeblich Kurmin ohne Nanofizierung nicht gegen Krebs hilft. Dafür bin ich jetzt chronisch krank. Auch hat eine Forschergruppe in Zürich nachgewiesen, dass der Aufenthalt von Morbus Crohn-Kranken auf etwa 1800-2000 Meter Höhe Schübe auslöst, auch bei Flügen in dieser Höhe. Die Erkenntnis des Teams um Dr. Rogler ist, dass sich in dieser Höhe Nanopartikel konzentriert aufhalten und offenbar durch Inhalation Morbus Crohn-Schübe auslösen. Und nachdem wir schon mal in der Zeit der Aufdeckung von Unwahrheiten sind: Es gibt keinerlei nachgewiesenen Nutzen von Titandioxidnanopartikeln, außer dass sie Krebs erzeugen, Entzündungen im Darm verursachen – und trotz allen Wissens in Medikamenten weiterhin eingeschleust werden, nicht als „heilende Funktion“, sondern als weißer Tablettenüberzug, für den es auch ungefährliche Alternativen gäbe und gab. Sie können mich gerne fragen, warum das so ist, aber ich habe leider keine Antwort. Vielleicht bekommt man sie in Frankreich, denn da sind sie jetzt verboten worden – warum? Es wird einen guten Grund haben! Ich hoffe, dass es bald aufhört, dass wir krank gemacht werden. Auch ist nicht erfoscht, ob Hochfrequenz wie 5G diese leicht reaktiven Metalle, die wir nun alle im Körper haben, auf den Körper zusätzlich schädigend einwirkt, z.B. durch Erhitzung von Zellen. Im Darm haben wir diese Nanopartikel zu Hauf, denn es ist ja überall drinnen: In Backwaren, Salz, Suppenbrühe, Ketchup, ja auch in Schokolade, die nun leicht silbrig-metallisch glänz…die Liste ist endlos. Und nirgends gibt es auch nur einen Effekt, außer das mit der Rieselhilfe…ein teuerer Preis, dafür, dass wir verklumptes Salz nicht mehr selbst rieselfähig machen müssen!

  • Sieglinde Talke

    Hallo Frau Rieber, wo finde ich eine „Faustregel“ wieviel fermentiertes Gemüse / Saft tägl. / wöchentl. zur Gesunderhaltung des Darmes verzehrt werden sollten? 80 ml Saft oder 60 gr fermentiertes Gemüse schaffe ich täglich, reicht das oder dürfte es auch weniger sein. Ich befürchte, das ich mich daran leid esse, da ich 16 Std Intervallfasten mache und nur abends eine „normale“ Mahlzeit zu mir nehme.
    Haben Sie einen Tipp für mich?

    Herzlichen Dank
    Sieglinde

    • Dunja Rieber
      Dunja Rieber

      Liebe Frau Talke,
      das ist eine sehr gute Frage, die noch nicht vollständig von der Wissenschaft geklärt ist. Als Faustregel empfehlen Darm-Forscher nach jetzigem Kenntnisstand etwa 100 g fermentiertes Gemüse bzw. Saft am Tag (Rezac et al, 2018).
      Herzliche Grüße,
      Dunja Rieber

  • HEIDEMARIE WEISS

    Danke an Frau Meixner und Frau Rieber,
    für die Hinweise zu Nanopartikeln (Feinstaub ist mittlerweile in Innenräumen/Büros, Industrieanlagen)
    ein riesen Problem und auch hier greift einen Entstörung reduzierend (mehrfach in Studien nachgewiesen/einsehbar) gerade auch im Zusammenhang mit 5G/Mobilfunkeinstahlung
    und Frau Rieber danke ich für die Erklärung zur leaky Gut Syndrom Diagnose (wusste nicht, wie das diagnostiziert wird!).

    Vielen Dank,
    HEIDEMARIE WEISS München/Schwabing

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