Multitasking ist ein Mythos. ArtFamily/shutterstock.com

Mythos Multitasking: So werden Sie produktiver und glücklicher

Multitasking – also die Fähigkeit, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen – ist ein Mythos. Warum? Weil unser Gehirn entgegen der weitverbreiteten Annahme nicht in der Lage ist, sich auf mehr als eine Aufgabe zu konzentrieren.

von Cora Högl

Versuchen wir es dennoch, leidet unsere Konzentration, wir werden langsamer und machen mehr Fehler. Der Grund: Wir bearbeiten nicht wirklich zwei oder mehr Aufgaben gleichzeitig, sondern schalten im Sekundentakt zwischen ihnen hin und her. Dabei braucht unser Gehirn immer eine gewisse Zeit für die Umstellung – Zeit, die uns verloren geht. Wir sind unaufmerksamer, fahrig, reagieren zu langsam – dadurch können wichtige Informationen abhandenkommen. Das klassische Beispiel hierfür ist das Telefonieren während des Autofahrens.

Der gute Ruf des Multitaskings hält sich trotzdem hartnäckig: Wer bei der Arbeit, im Haushalt oder in der Freizeit ständig mit verschiedenen Anforderungen jongliert, gilt als besonders fleißig und effektiv. Dabei ist gerade das Gegenteil der Fall!

Multitasking: Ein Rückschritt in die Steinzeit?

Forscher weisen darauf hin, dass gerade die Konzentration auf ein zentrales Problem eine der größten menschlichen Stärken ist. Diesen „Luxus“ können wir uns nur leisten, weil wir hierzulande ein ziemlich sicheres Leben führen. Hirnforscher vergleichen die Situation mit Tieren in freier Wildbahn: Eine Antilope kann sich niemals nur auf Fressen oder Trinken konzentrieren. Sie muss ständig ihre Umwelt im Blick haben, um Raubtiere schnell zu entdecken. Auch unsere Vorfahren kannten diese Herausforderung. Erst als die Ernährung relativ gesichert war, Fressfeinde keine Gefahr mehr waren und ein gewisser Frieden herrschte, konnten sich Menschen auf die Lösung einzelner Probleme konzentrieren.

Die Pomodoro-Technik

Eine einfache Technik, die sich im Vergleich zum Multitasking als besonderes wirkungsvoll erwiesen hat, ist die sogenannte Pomodoro-Technik. Ihr Erfinder benannte sie nach seiner Eieruhr in Tomatenform. Dieses gewöhnliche Küchenutensil legt fest, wie lange Sie sich am Stück auf eine einzige Aufgabe konzentrieren sollten.

So funktioniert’s:

1. Stellen Sie eine Eieruhr, einen Wecker oder auch Ihren Timer am PC oder Smartphone auf 20-25 Minuten ein.

2. Nun arbeiten Sie diese Zeit ausschließlich an einer Aufgabe, die Sie sich vorher vorgenommen haben. Jede Ablenkung ignorieren Sie und verschieben sie auf später.

3. Nach Ablauf der Eieruhr unterbrechen Sie Ihre Arbeit und machen fünf Minuten Pause. Die Pausen sind bei der Methode genauso wichtig, wie die Zeit, in der Sie konzentriert arbeiten. Stehen Sie während der Pause auf , trinken Sie etwas und schnappen Sie am besten etwas frische Luft.

4. Nach der fünfminütigen Pause starten Sie eine weitere Arbeitseinheit von 20-25 Minuten und so weiter.

5. Spätestens nach vier „Pomodori“ legen Sie eine längere Pause ein. Diese kann 15-30 Minuten dauern.

Nach einer kompletten Pomodoro-Einheit sollten Sie bemerken, dass die Aufgabe, die Sie bearbeitet haben, effektiver und gründlicher ausgeführt wurde, als sonst.

Weniger Multitasking – weniger Stress

Die wichtigste Regel, um sich nicht in mehreren Aufgaben gleichzeitig zu verlieren, lautet: Blenden Sie sämtliche Ablenkungen aus. Schließen Sie am PC das E-Mail-Programm, verstauen Sie Ihr Handy in der Schublade, bitten Sie Ihre Kollegen, Sie nicht zu stören. Zuhause schalten Sie den Fernseher und das Radio ab und lassen den Anrufbeantworter Gespräche entgegennehmen.

Das wird anfangs nicht leichtfallen und nicht jede Unterbrechung lässt sich auch tatsächlich verschieben. Aber je öfter es Ihnen gelingt, dem Multitasking zu entfliehen, desto weniger Stress haben Sie und desto zufriedener können Sie am Ende des Tages auf Ihre Erfolge zurückblicken.


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Cora Högl

ist seit 2013 Redakteurin bei LaVita und aktuell in ihrer ersten Babypause. 2016 machte sie die Ausbildung zur ganzheitlichen Gesundheitsberaterin (IHK). Privat liebt sie es gesund zu kochen - lässt sich aber auch sehr gerne bekochen. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit ihren Hunden in der Natur oder im eigenen Garten.

7 Kommentare

  • Ingrid Denckmann

    Obwohl ich seit Jahren schon Rentnerin bin, erwische ich mich des öfteren verschiedene Sachen gleichzeitig zu machen, was dann auch oft nicht gelingt. Werde aber jetzt nachdem ich ihren Bloc gelesen und verstandenen habe eine Änderung vornehmen.
    Vielen Dank für den Tip

    • Cora Högl
      Cora Högl

      Vielen Dank, Frau Denckmann, das freut mich sehr! Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute 🙂

      Herzliche Grüße, Cora Högl

  • Lothar Helmut Fuchs Potsdamer Str. 58

    Ich kann diese Darstellung nur bestätigen.
    Leider leiden die Zwischenmenschlichen Beziehungen in unserer Gesellschaft unter diesen Leistungsdruck der auf Dauer nur schadet..
    L.H. Fuchs

  • Kristina Bensch

    Mal wieder ein super Beitrag. Der einzige Newsletter auf den ich mich freue.

  • Kerstin Tuchen

    Herzlichen Dank für diese äußerst wertvollen Informationen!! Nach dem Lesen muss man feststellen, dass Sie auch ganz logisch sind. Wir müssen uns diese Tatsache nur jeden Tag ins Gedächtnis rufen und umsetzen. Es wird uns und unserem Umfed besser gehen. In diesem Sinne, eine erfolgreiche und ausgeglichene Zeit

  • F. Elisabeth Dallenbach

    Hallo liebe Cora,
    dieser Beitrag spricht mir voll aus der Seele! Wenn ich zum Multitasking gezwungen werde, blocke ich regelmäßig ab. Meine Schwester ist da ganz anders – sie telefoniert beim Autofahren und kommt in gefährliche Situationen, beim Essen kochen und dann läuft das Nudelwasser über und die Soße brennt an, und sogar während des Stillens ihrer Kinder hat sie lauter Dinge nebenher gemacht anstatt auf die Bedürfnisse und die süßen Blicke ihrer Babys zu achten. Ich werde diesen Artikel ausdrucken und an „Multitasking-Freaks“ verschicken!

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