Wie Sie Ihre Atemwege stärken

Nicht nur Allergiker und Raucher können ihre Lunge mit der richtigen Ernährung unterstützen. Wie das funktioniert, sagt uns der Deutsche Lungeninformationsdienst der Münchner Helmholtz Gesellschaft.
von Dunja Rieber

Der Einfluss der Ernährung auf unsere Lunge und unsere Atemwege liegt nicht unbedingt auf der Hand. Und doch ist er da. Heute wissen Mediziner: Wer sich ausgewogen ernährt, kann die Abwehrfunktion der Lunge erhalten. Das gilt insbesondere bei bestehenden Lungenerkrankungen, ebenso bei Rauchern – aber auch für Gesunde. Denn bei unausgewogener Fehlernährung steigt nicht nur das Risiko für Infektionen, sondern auch für oxidativen Stress, der im Zusammenhang mit vielen Erkrankungen steht.

Ernährung und Lungengesundheit – was Forscher wissen

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass nicht nur unser Immunsystem, sondern auch die Abwehrkraft unserer Lunge durch eine Fehlernährung herabgesetzt wird. Nach Aussagen des Lungeninformationsdienstes sind dann die Fresszellen in unseren Lungenbläschen, die im Normalfall eingedrungene Fremdlinge beseitigen, weniger aktiv.

Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit frischen, saisonalen Produkten beeinflusst unsere Gesundheit dagegen auf vielfältige Weise:

  • Minimierung von oxidativem Stress, der unsere Zellen schädigt
  • Weniger Entzündungen als Folge von unausgewogener Fehlernährung
  • Vermeiden von Über- und Untergewicht als Belastung für Körper und Lunge

Lungenforscher empfehlen eine Kost nach mediterranem Vorbild. Studien zeigen, dass diese nicht nur in der Entstehung, sondern auch für den Verlauf vieler Lungenerkrankungen eine Rolle spielt1. Ein wichtiger Aspekt ist der hohe Anteil pflanzlicher Kost mit Gemüse, Obst, Kräutern und Nüssen, die eine hohe Nährstoffdichte besitzen und uns mit reichlich Antioxidantien, Vitaminen und Spurenelementen versorgen. Außerdem liefert sie gesunde, entzündunghemmende Fette aus Seefisch wie Lachs, Makrele und Olivenöl. Die Forscher sehen diesen Zusammenhang bereits im Kindesalter. Kinder, die wenig Obst und Gemüse und essen, neigen eher zu asthmatischen Erkrankungen.

Schutz über die „Darm-Lungen-Achse“?

Wussten Sie, dass unsere Lunge nicht steril ist, sondern von einem Mikrobiom besiedelt wird, wie unser Darm? Schon jetzt wissen wir, dass diese Keime sehr wichtig sind und unsere Lunge schützen können. Forscher vermuten, dass wir die Keime der Lunge über die „Darm-Lungen-Achse“ beeinflussen können. Das heißt: Essen wir ausgewogen, profitiert nicht nur unser Darm-Mikrobiom, sondern auch das der Lunge.

Lungengesunde Ernährung – die Empfehlungen des Lungeninformationsdienstes:

Antioxidantien: Schutz vor oxidativem Stress

Freie Radikale entstehen durch körpereigene Prozesse, aber auch durch Luftverschmutzung und Zigarettenrauch. Der als Folge entstehende oxidative Stress wird mit der Entstehung von Lungenkrankheiten wie COPD, Asthma oder Lungenentzündung in Verbindung gebracht. Dagegen empfehlen Mediziner des Lungeninformationsdienstes Antioxidantien (Vitamin C, E, Zink und Selen), die wir über unsere Ernährung aufnehmen können und die unsere Zellen vor oxidativem Stress schützen. Sie finden sich vor allem in Obst, Gemüse und Kräutern sowie Nüssen und Samen – also ausschließlich in pflanzlichen Lebensmitteln.

Besonders reich an Antioxidantien sind:

  • Vitamin C: Zitrusfrüchte und -säfte, Kiwi, Brokkoli, Paprika, Kräuter wie Petersilie
  • Vitamin E: Weizenkeime, Rapsöl, Olivenöl, Mandeln
  • Zink: Vollkornbrot- und -mehl, Haferflocken, Sonnenblumenkerne, Leinsamen
  • Selen: Vollkorn, Paranüsse, Eier, Fisch

Omega-3-Fettsäuren: Essentiell für unseren Körper

Gesunde Fette gehören zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Omega-3-Fettsäuren zählen zu den essentiellen Fettsäuren, das heißt der Körper kann sie nicht herstellen und wir müssen sie über die Nahrung aufnehmen. Viele Forscher sehen einen positiven Zusammenhang bei allergischen und asthmatischen Reaktionen. Omega-6-Fettsäuren können dagegen Herz und Lunge beeinträchtigen und Entzündungen im Körper fördern. Durch unsere typischen westlichen Ernährungsgewohnheiten mit viel Fleisch, Wurst, Margarine, Gebäck, Frittiertem und Fertigkost nehmen wir häufig zu viel davon auf. Auch Sonnenblumenöl, das die Industrie häufig einsetzt, ist reich an den entzündungsfördernden Fetten.

Gute Lieferanten für Omega-3-Fette:

  • Seefisch wie Lachs, Makrele, Hering
  • Leinöl, Rapsöl, Olivenöl

Weitere Informationen des Lungeninformationsdienstes finden Sie hier. Der Lungeninformationsdienst ist eine Kooperation des Helmholtz Zentrum München sowie dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL).

Vitamin D: Gegenstand vieler Forschungsarbeiten

Intensiv erforscht wird auch der Zusammenhang zwischen Vitamin D und Lungenerkrankungen. Niedrige Vitamin-D-Spiegel stellen Forschungen zufolge einen Risikofaktor für Lungenentzündungen dar. Wissenschaftler untersuchten die Daten von 723 Männern und 698 Frauen zwischen 53 und 73 Jahren. Teilnehmer mit Vitamin-D-Spiegeln im unteren Drittel erkrankten 2,5-mal häufiger als Teilnehmer mit höherem Vitamin-D-Spiegel2. Eine gute Vitamin-D-Versorgung scheint gerade auch für Raucher besonders zum Schutz der Lungenfunktion wichtig zu sein3.

Diese Forschungsergebnisse zeigen, wie wichtig eine gesunde und ausgewogene Ernährung für unseren gesamten Körper, einschließlich unserer Atemwege, ist.

Weiterlesen: Freier atmen: So bleibt Ihre Lunge stark

Quellen:
1. Nutrition and Respiratory Health — Feature Review, Nutrients, 2015
2. Serum 25-hydroxyvitamin D3 and the risk of pneumonia in an ageing general population, J Epidemiol Community Health, 2013
3. Vitamin D Deficiency, Smoking, and Lung Function in the Normative Aging Study, Am J Respir Crit Care Med. 2012

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Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

7 Kommentare

  • Günter Burkhard

    Meines Wissens ist Olivenöl kein Omega3-Lieferant. Es enthält gleichwohl wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe.

    • Dunja Rieber
      Dunja Rieber

      Lieber Herr Burkhard,
      Auch wenn Leinöl und Rapsöl deutlich mehr Omega-3-Fette enthalten, so ist auch Olivenöl ein Lieferant dieser Fettsäuren (wenn auch in geringerer Menge). Olivenöl hat aber einen anderen Vorteil: Es ist im Gegensatz zu Rapsöl und Leinöl in der Küche etwas robuster. Olivenöl „extra vergine“ verträgt auch milde Hitze und lässt sich bis etwa 180 Grad erhitzen, ist also auch gut zum sanften Braten geeignet. Rapsöl und Leinöl eignen sich dagegen für die kalte Küche.
      Herzliche Grüße,
      Dunja Rieber

      • Antoinette

        Es tut mir leid, aber ich bin jetzt etwas verwirrt.
        Ich war sicher, dass Rapsöl sehr wohl erhitzt und zum Braten etc., eher verwendet werden kann als Olivenöl, da man es höher erhitzen kann.
        Olivenöl wird bei hoher Erhitzung giftig und sollte daher nur vorsichtig verwendet werden.
        Ich benutze es eher zum sanften Braten ( wie von Ihen beschrieben) oder schmoren und antürlich zum Salat.
        Rapsöl dagegen ist auch hoch erhitzbar…..so bin ich informiert.
        Liege ich da falsch?
        Leinöl sollte unbedingt nur für die kalte Küche genutzt werden.
        Herzliche Grüße
        Antoinette

        • Dunja Rieber
          Dunja Rieber

          Liebe Antoinette,
          durch sein Fettsäuremuster (ca. 75 Prozent einfach ungesättigte Ölsäure) kann Olivenöl bis etwa 180 Grad erhitzt werden und hält daher auch Brat-Hitze aus. Rapsöl (ca. 60 Prozent Ölsäure) ist hitzestabilder als andere Öle, zum milden Dünsten ist es noch geeignet. Ab 140 Grad Celsius ist der Rauchpunkt erreicht und es fängt an sich zu zersetzen. Der Rauchpunkt ist erreicht, wenn sich beim Erhitzen Rauch entwickelt. Mehr darüber erfahren Sie in diesem Artikel Fit mit Fett: Diese Fette & Öle haben Gesundpotential
          Herzliche Grüße,
          Dunja Rieber

  • Evelin Bösch

    Vitamin d kann oft nicht gut aufgenommen werden. Können sie einmal etwas über
    Die Rezeptorblokaden berichten,vielleicht auch über Möglichkeiten sie aufzulösen.

  • Heinrich Mayer

    Hallo, liebe Frau Rieber. Ich bin leidenschaftlicher Hobbykoch und verwende schon seit Jahren nur das Distelöl, zwischendurch mal auch das gute Olivenöl. Liege ich da richtig oder können Sie mir etwas anderes raten? Herzlich Heinrich Mayer

    • Dunja Rieber
      Dunja Rieber

      Lieber Herr Mayer,
      Distelöl zählt zu den Omega-6-reichen Ölen und sollte wegen seiner entzündungsfördernden Wirkung eher sparsam eingesetzt werden. Verwenden Sie es am besten im Wechsel mit Rapsöl, Leinöl oder Olivenöl.
      Herzliche Grüße,
      Dunja Rieber

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