Eine ausgewogene Ernährung ist der Schlüssel zur Entgiftung. shutterstock_620185925_Foxys-Forest-Manufacture

Entgiften: Mit der richtigen Ernährung entgiftet unser Körper von allein

Tag für Tag sind wir Stoffen ausgesetzt, die uns schaden können. Sie stammen aus der Umwelt und auch in unserem Stoffwechsel fallen Abfallprodukte an. Um sie wieder loszuwerden, verfügt unser Körper über wirksame Mechanismen – die wir täglich unterstützen können.

von Dunja Rieber

Es mag überraschend klingen, doch unser Körper entgiftet in jeder Sekunde. Auch jetzt. Permanent sind Leber, Nieren, Darm, Lungen und Blut damit beschäftigt, Giftstoffe wie Schwermetalle, Medikamente oder Nikotin aus dem Körper zu schleusen. Auch natürlicher „Zell-Abfall“ aus unserem Stoffwechsel fällt sekündlich an und muss entsorgt werden.

Der Körper reinigt sich selbst – aber anders als gedacht

Damit all diese Stoffe in unserem Körper keine Spuren hinterlassen, verfügen wir über wirksame Entgiftungssysteme. Wasserlösliche Gifte können direkt über die Nieren ausgeschieden werden. Doch viele unliebsame Substanzen sind schlecht wasserlöslich. Unser Körper muss sie in wasserlösliche Stoffe „umbauen“, damit er sie ausscheiden kann. Das geschieht mittels körpereigener Enzyme. Die meisten davon sitzen in unserer Leber. Das erklärt auch die zentrale Rolle der Leber als Entgiftungsorgan. Das bekannteste Enzym unter ihnen ist das Cytochrom P450. Es wandelt gleich eine ganze Reihe von wasserunlöslichen Schadstoffen in wasserlösliche um, die dann über unsere Nieren ausgeschieden werden können.

Entgiften heißt, beste Bedingungen in uns zu schaffen

Auch wenn wir jegliche Schadstoffe natürlich vermeiden sollten: Ein gesunder Körper kommt mit Schadstoffen in gewissem Maße zurecht. Limitierender Faktor ist die Kapazität unserer Entgiftungs-Enzyme. Bei einer dauerhaften oder zu großen Belastung kann das natürliche Entgiftungssystem überlasten. Doch es gibt einige Maßnahmen, mit denen wir das verhindern können. Unser Körper entgiftet allein, wenn die „Bedingungen“ in uns stimmen.

Die Entgiftung mit der richtigen Ernährung unterstützen:

  • Was wir essen, hat einen Einfluss auf die Fähigkeit unseres Körpers zu entgiften. Eine nährstoffreiche, frische Küche versorgt uns und unsere Entgiftungsorgane mit all den Stoffen, die sie brauchen, um ihre Arbeit zu erledigen. Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte tun uns besonders gut. Grünes Blattgemüse und Kräuter sind besonders reich an Vitaminen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen.
  • Auch unsere körpereigenen Entgiftungsenzyme werden durch verschiedene Nährstoffe aktiviert. Sie fungieren dabei als sogenannte Cofaktoren, d. h. sie funktionieren nur im Zusammenspiel nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Bekannte Cofaktoren der Entgiftungsenzyme sind z. B. Vitamin B1, B2, Vitamin C, Zink und Selen. Zahlreiche Studien belegen beispielsweise den Einfluss der Spurenelemente Selen und Zink auf die Entgiftung von Schwermetallen (Cadmium)1,2.
  • Sie unterstützen Ihre Leber, wenn Sie Alkohol meiden. Die Heilpflanze Mariendistel gilt in der Naturheilkunde als leberunterstützend. Zu viel Zucker beeinträchtigt dagegen die Leberfunktion. Sie möchten weniger Zucker essen? Hier helfen wir Ihnen dabei.
  • Sie können Ihrem Körper von Vornherein einiges an Giftstoffen ersparen, wenn Sie so oft es geht zu heimischen Lebensmitteln und Bio-Produkten greifen. Durch das Meiden von Fertigkost ersparen Sie sich künstliche Zusatzstoffe. Reis reichert von Natur aus viel Arsen an. Gründliches Waschen kann den Gehalt verringern. Versuchen Sie außerdem, wenig in Plastik Verpacktes zu konsumieren, um hormonell wirksame Substanzen zu umgehen. Im Haushalt kann falsch verwendete Alufolie eine leicht vermeidbare Schadstoffquelle sein. Hier lesen mehr darüber.
  • Unsere Ernährung ist entscheidend. Doch auch das bewusste „Nicht-Essen“ kann gesundheitsfördernde Prozesse in Gang setzen. Längere Essenspausen wie beim Intervallfasten können die Zellreinigung (Autophagie) unterstützen. Die Zeit in den Nahrungspausen nutzt unser Körper auch, um Zellschäden zu reparieren. Alles zum Intervallfasten – jetzt lesen.
  • Das Ölziehen am Morgen ist eine einfache, aber effektive Methode, um den Körper von schädlichen Mikroorganismen zu befreien. Eine Anleitung zum Ölziehen finden Sie hier.
  • Ausreichend Trinken ist aus zwei Gründen wichtig: Zum einen regt es die Nieren an. Zum anderen hilft es, Nährstoffe, die wir über unser Essen aufnehmen, in alle Teile und zu jeder Zelle des Körpers zu transportieren.

Besser als Detox: Täglich gesund!

Ayurvedische Kuren, Darmsanierungen, Zucker-Challenges oder Heilfasten können eine ergänzende Maßnahme sein. Manchmal sind sie ein Startschuss für ein gesünderes Leben. Definitiv sind sie aber kein Ersatz oder gar Ausgleich für einen ungesunden Alltag. Unser Körper entgiftet permanent. Damit er das hinbekommt, sollten wir ihn täglich unterstützen. Mit einer gesunden Ernährung und möglichst viel frischer Kost. Diesen Effekt kann weder eine kurzzeitige Entgiftungskur noch ein Detox-Produkt ersetzen.

Quellen:
1. Zinc protects against cadmium-induced toxicity in neonatal murine engineered cardiac tissues via metallothionein-dependent and independent mechanisms, Acta Pharmacol Sin., 2019.
2. Selenium protects against cadmium-induced kidney apoptosis in chickens by activating the PI3K/AKT/Bcl-2 signaling pathway, Environ Sci Pollut Res Int, 2017.

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Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

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