Geund essen: Es gibt Wege, mit denen das leichter gelingt. 437351_The-Picture-Pantry

Der Ernährungsreport: Wie gesund wir essen – und was Experten uns raten

Gesund essen im Alltag – möglich, aber nicht immer einfach. Harvard-Forscher haben einen flexiblen, gesunden Speiseplan entwickelt, den wir nutzen sollten!

von Dunja Rieber

Unser Bewusstsein für eine gesunde Ernährung wird immer größer – so steht es zumindest auf einem Papier der Bundesregierung. Unser Essen soll gesund sein, ein Großteil der Deutschen kocht gerne, am liebsten aus regionalen Zutaten und Vielfalt in der Ernährung ist uns besonders wichtig. Dieses Bild zeigt eine aktuelle Ernährungserhebung finanziert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Alles bestens also? Wieso ist dann die Zahl der Übergewichtigen so hoch? Auch mit der Lebenserwartung in den Industrienationen schien es jahrelang nur bergauf zu gehen. Doch eine Studie von Forschern der University of California und der Princeton University, veröffentlicht im British Medical Journal, zeigt, dass dieses Selbstverständnis einen Knacks bekommen hat.

Alarmierende Zahlen: Lebenserwartung sinkt

In den USA und Großbritannien sank in den letzten Jahren erstmals die Lebenserwartung. In Deutschland sieht es nicht anders aus. Das geht aus einer der größten Gesundheitsstudien weltweit hervor, der „Global Burden of Disease“, die von der Harvard Universität und der WHO initiiert wurde. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht. Alarmierende Ergebnisse, obwohl unser Krankenkassensystem als eines der besten weltweit gilt und trotz steigender Ausgaben im Gesundheitswesen, technischem Fortschritt, medizinischen Erfolgen und neuen Diagnosemöglichkeiten.

Warum fällt unsere Lebenserwartung?

Gesundheitsexperten wundert diese Diskrepanz nicht. Denn in erster Linie wird unsere Lebenserwartung durch einen ungesunden Lebensstil beeinträchtigt. Fachgesellschaften verweisen bereits seit geraumer Zeit auch auf die steigende Zahl der Menschen, die an Zuckerkrankheit, Herz-Kreislauferkrankungen oder Adipositas leiden. Und dies ist erst der Anfang der Liste ernährungsabhängiger Erkrankungen.

So (un)gesund essen die Deutschen – die zentralen Ergebnisse des neuen Ernährungsreports

Was lag in den letzten Tagen und Wochen auf Ihrem Teller? Ein Blick in die Forschung und Statistik zeigt, dass Wunsch und Wirklichkeit bei unserer Ernährung häufig auseinander klaffen:

Es fällt uns nicht immer leicht, uns optimal zu versorgen. Zu viele leere Kalorien aus einfachen Kohlenhydraten, versteckten Fetten und Zucker und dazu weit weniger als die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag. Dass das nicht gesund ist, wissen wir. Aber weil viele im Alltag wenig Zeit haben, sind verarbeitete Lebensmittel-Quickies aus unseren Supermärkten nicht mehr weg zu denken. Neben Tiefkühlpizza zählen dazu auch gesüßte Frühstücksflocken oder Knuspermüslis, Süßigkeiten, Wurst, Fertiggerichte aller Art, Limonade, Snacks zum Knabbern, Tütensoßen und -suppen. Hinzu kommen Faktoren wie Stress, Zigaretten- oder Alkoholgenuss, gesundheitliche Belastungen, die einen erhöhten Bedarf an Mikronährstoffen nach sich ziehen.

Vorsicht, Dickmacher

Die gesundheitlichen Folgen einer ungesunden Ernährung werden noch immer unterschätzt: Eine Gruppe Freiwilliger frühstückte zwei Wochen lang täglich ein Honig-Nuss-Müsli aus der Packung. Auch zu Mittag und Abendessen gab es verarbeitete Lebensmittel. Eine andere Gruppe erhielt genauso viele Mahlzeiten, allerdings mit unverarbeiteten Lebensmitteln, zum Frühstück gab es z. B. einen Joghurt mit frischen Früchten. Beide Gruppen durften essen so viel sie wollten. Das Ergebnis: Gruppe 1 legte selbst innerhalb dieses kurzen Zeitraums an Gewicht zu, der Körperfettanteil stieg. Kein Wunder, denn die erste Gruppe nahm im Schnitt 500 kcal mehr zu sich. Fertigkost verleitete also auch dazu, mehr zu essen. Anschließend wurden die Gruppen getauscht. Die Teilnehmer der Fertigkost-Gruppe nahmen wieder ab, die früheren Frischkost-Esser nahmen zu. Je verarbeiteter unsere Lebensmittel, umso weniger Mikronährstoffe stecken darin, dafür viele Kalorien, Salz, Zucker, Geschmacksverstärker und künstliche Aromen – keine guten Voraussetzungen, um gesund zu bleiben. Auch Ernährungsgesellschaften kommen zu dem Ergebnis, dass unsere deutsche Kost im Großen und Ganzen zu energiereich, fettig, salzig, süß und arm an Ballaststoffen ist. Nach der Nationalen Verzehrsstudie II erfüllen große Teile der Bevölkerung bei wichtigen Mikronährstoffen nicht die empfohlenen Mengen, z. B. für Vitamin D, Folsäure, Eisen, Vitamin C, E und Ballaststoffen.

Tägliche Optimierung mit Vitaminen und Spurenelementen

Wie wirkungsvoll die richtige Ernährung sein kann, belegt die intensive Forschung der Harvard Universität. Um den Ursachen der Zunahme an ernährungsbedingten Krankheiten auf die Spur zu kommen, führt ein Forscher-Team bereits seit 1976 eine der größten Langzeit-Studien zur Ernährung überhaupt durch. Ziel war es, unabhängige Empfehlungen zu entwickeln, die allein auf wissenschaftlicher Evidenz beruhen – ohne Einflussnahme durch Industrie.

Daraus entstanden ist die Harvard „Gesund essen“-Pyramide, die uns zeigt, wie wir heute gesund essen können und was wir besser lassen sollten. Was auffällt: Wie bei der traditionellen mediterranen Ernährung auch, spielen pflanzliche Lebensmittel die Hauptrolle. Die Mikronährstoffe darin sind ein wichtiger Baustein für unsere Gesundheit. Zusätzlich raten die Experten zu einer Optimierung mit zusätzlichen Vitaminen uns Spurenelementen.

Die Kern-Empfehlungen der Wissenschaftler:

  • Basisernährung: Obst und Gemüse, Vollkorngetreide, pflanzliche Proteine, Nüsse und Samen, ungesättigte Fette.
  • Möglichst reduzieren: Gesättigte Fette, weißes Mehl, Salz und Zucker
  • Ergänzung: Tägliche Optimierung der Ernährung mit zusätzlichen Vitaminen und Spurenlementen

Diesen Artikel in voller Länge mit allen Ernährungs-Empfehlungen der Harvard-Forscher sowie einem individuellen Ernährungs-Check, finden Sie in unserem neuen Magazin – in Kürze in Ihrem Briefkasten!

Achten Sie auf sich – und möglichst oft auf eine gesunde Harvard-Ernährung

Wer sich an den Harvard-Empfehlungen orientiert, lebt nachweislich gesünder, kann Übergewicht abbauen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Was dieser langanhaltenden Gesundheit zugrunde liegt: Ein flexibler Speiseplan für den modernen Alltag, den wir nutzen sollten.

Die Forscher sehen die „Gesund Essen“-Pyramide als gesunde Basis, die Sie flexibel an Ihren Alltag und Ihre Bedürfnisse adaptieren können. Versuchen Sie auch beim Essen unterwegs oder in der Kantine die bestmögliche Wahl zu treffen. Zu Hause können wir gesund Vorkochen. Wie das ganz einfach geht, zeigt Ihnen Starkoch Holger Stromberg ebenfalls in unserem neuen Magazin. Und wenn es mal schnell gehen muss, darf es durchaus Tiefkühlgemüse sein, aber dann ohne künstliche Zusätze. Essen wir so oft es geht nach den Empfehlungen der Harvard Ernährung, können wir gelassen in eine gesunde Zukunft blicken!

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?


4,56 von 5 Punkten, basierend auf 81 abgegebenen Stimmen.

 

Print Friendly, PDF & Email

Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

5 Kommentare

  • Bin ein Fan von gesunder Ernährung, deshalb sprechen mich Ihre Kommentare immer an. Ich finde sie sehr hilfreich. Habe mir bereits viel angeeignet und in meiner täglichen Küche geändert.

  • Hansjörg Schoenecker

    Finde ich interessant und richtig.
    Versuche so zu leben, mit Ausrutschern allerdings, aber auch mit Unterstützung von La Vita.
    Freue mich auf das angekündigte
    Magazin.
    H. Schoenecker

  • Mein Motto: Man ist was man isst. Wer es sich nicht selbst wert ist, sich gesund zu ernähren, hat ein Problem. Und das nicht nur mit dem Gewicht. Auch ich kenne einige Leute, die eine perfekt eingerichtete Küche haben, aber nie kochen. Es ist nicht so schwer, mit frischen Zutaten zu kochen. Fertigprodukte nehme ich gar nicht mehr. Weil ich’s mir wert bin. Und ein Müsli mit Haferflocken, Früchten und Kefir ist in 1 min gemacht. Meine Schwäche ist Schokolade, hier kann ich schwerlich widerstehen. Aber da Essen für mich eine absolute Genusssache ist, muss das auch mal sein. Die Menge macht das Gift 🙂
    Ich lasse mich oft – zum Leidwesen meiner Familie, die abends ein bestimmtes Gericht erwartet – im Supermarkt von der Gemüsetheke inspirieren. Dann bastele ich einfach was Leckeres drum herum. Somit kann schon mal etwas völlig anderes auf dem Tisch stehen. Wer kocht, bestimmt 🙂

    • Michaela Baumgarten

      Hallo Monika ,versuche es mal mit 3-4 Wochen konsequent basischer Ernährung . Bei mir ist die Sucht nach Schokolade seither völlig weg und zum Abnehmen hilft es nebenbei auch!! Viel Spass! Michaela

  • Hi,

    ja, dass ist immer alles ganz cool und so, aber woher die Zeit nehmen?
    Wenn ich so auf die Benefits meines Unternehmens schaue, alles gut. Fitnessstudio, eigene Sportgruppen, Betriebsarzt, ne ganze Menge tolle Sachen für die Gesundheit … aber bitte die 42h arbeiten und dann die Sachen in der Freizeit machen. Was weniger Arbeiten, Jobwechseln? Ja gut, aber dann kannst du dir die guten Lebensmittel halt auch nicht mehr leisten.
    Ich behaupte jetzt mal ganz einfach, dass für die Meisten, entgegen der medialen Stimmung, die 1h Fitnessstudio + 30 Minuten Fahrtweg eher nicht zur gewünschten Abendplanung gehören.
    Sie würden es sich lieber (verdienterweise) auf dem Sofa bequem machen, wenn da eben dann nicht der gesellschaftliche Druck der Daueroptimierung von Allem wäre.
    Das die Unternehmen das natürlich fördern und so tun, als wäre das optimal, ist klar (weniger Krankentage, längere allgemeine Arbeitszeit möglich, insgesamt zumindest).
    Mache ich mir 45 Minuten was zu futtern oder 5 Minuten ein Fertiggericht in der Mittagspause (jetzt im Homeoffice)/am Abend? Klar, dass was weniger Zeit kostet, geht auch nicht anders mit bei der Beschleunigung.

    Wundern braucht man sich über Abnahmen in diesem Aspekt dann aber nicht. Man will ja als Mensch auch nicht nur Arbeit, Sport, Kochen, Hygiene, (Familie) und Schlafen (apropo, wie groß ist die Verkürzung der Lebenszeit, weil Leute nur 6 Stunden schlafen, weil sie nach der Arbeit + daily chores wenigstens noch etwas Zeit für sich haben wollen?) machen, man hat ja vielleicht auch andere persönliche Hobbies oder Projekte.

    Ich finde solche: „Wie ernährst du dich gesund“ Schriften daher immer etwas am Ziel vorbei geschossen. Jeder weiß wie das theoretisch geht, dazu braucht es keine Studien (mehr). Man sollte als Gesellschaft aber dann auch entsprechende Rahmenbedingungen bieten, was eben nicht passiert. Dann kann man aber auch damit aufhören zu sagen, dass die Bevölkerung sich nicht „optimal“ ernährt/bewegt oder what ever.

    Mein Rat: Lasst es. Es ist ein gesellschaftlicher Hoax. Schlürft LaVita und futtert ab und an mal Obst und Gemüse was gerade so rumliegt, um zumindest während der „jungen Jahre“ nicht zu krank zu werden.
    Seien wir doch mal realistisch: Mit hoher Wahrscheinlichkeit, egal was ihr macht, sterbt ihr eh innerhalb der Arbeitszeit (wird ja, je nach derzeitigem Lebensalter so mit 71 oder 73 offiziell sein, wir werden ja auch immer „gesünder alt“, was für ein Humbug) oder paar Järchen nach der Rente. Vielleicht habt ihr noch 10 Jahre ganz okayisches Leben, aber spätestens dann seit ihr einfach 3-5 mal in der Woche beim Arzt um noch irgendwie über die Runden zu kommen.
    Selbstoptimierungszwang ablegen. Sport und gesunder Ernährung wenn es passt und Spaß macht und fertig. Sich selber nicht dauernd so ein Stress machen damit, dass ist auch viel gesünder.

    (Sorry, dass wollte ich schon lange mal loswerden und jetzt hat es mich bei dem Artikel halt getriggert :D)

Schreibe einen Kommentar

Empfehlung der Redaktion

Nicht nur zu wenig Schlaf ist eine Ursache für Müdigkeit.
27. Oktober 2020 Kommentare: 4

Ständig müde? Das könnte die Ursache sein

von Dunja Rieber
Viele Gründe für Müdigkeit haben nichts mit unserem Schlaf zu tun. Die häufigsten Ursachen, warum Sie immer müde sind – und was dagegen hilft.
Zum Artikel >
Die optimale Versrogung mit Mikronährstoffen ist zentral für viele Körperfunktionen.
20. Oktober 2020 Kommentare: 1

Schweizer Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Ergänzung mit Vitaminen

von Dunja Rieber
Die Schweizer Gesellschaft für Ernährung ist besorgt, da sich viele nicht an die Ratschläge zur gesunden Ernährung halten – und rät deshalb zu einer Ergänzung mit Vitaminen un...
Zum Artikel >
Ernährungstipps gibt es viele. Aber was stimmt denn nun? Hier kommen alle Antworten!
7. Oktober 2020 Kommentare: 2

Die 25 wichtigsten Ernährungs-Fragen

von Dunja Rieber
Ständig gibt es Neues zum Thema Ernährung. Aber worauf sollen wir denn nun achten? Hier finden Sie die 25 wichtigsten Fragen und Antworten!
Zum Artikel >